"Das ungeheure Erlebnis unserer Zeit": Das Königliche Gymnasium und der 1. Weltkrieg

Am Königlichen Gymnasium Amberg, der damals einzigen höheren Lehranstalt der Stadt, gingen die (allesamt männlichen) Schüler im Sommer 1914 frohgemut in die Ferien. Als die Schule im Herbst wieder begann, war nichts mehr so wie vorher, und es sollte auch nie mehr so werden. Viele Schüler der höheren Klassen meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst, später wurden zunehmend Schüler und Lehrer auch eingezogen, und es kam zum "Jahr ohne Abitur" 1917, in dem gerade noch zwei Schüler der Abschlussklasse nicht im Felde standen. Der 1914 begonnene Bau des neuen Schulhauses auf dem Kugelbühl kam zum Erliegen, Siegesfeiern und Gefallenengedenken bestimmten den Schulalltag und 42 junge Amberger Gymnasiasten blieben in diesem Krieg, den angeblich keiner wollte. Am Ende von allem stand 1918 im Zuge der Räterepublik die Umbenennung der Schule, die Einführung von bisher ungekannten Gremien wie Elternbeirat und Schülerrat sowie - horribile dictu! - nach fast dreihundert Jahren Schulgeschichte die erstmalige Zulassung von Mädchen zum Humanistischen Gymnasium.
Der Referent, selbst Absolvent und später Leiter des Erasmus-Gymnasiums Amberg, kann diesen Vortrag aus der Innenperspektive "seiner" Schule halten. Er hat dazu die Jahresberichte von 1914 bis 1918 mit der Kriegsdokumentation des damaligen Direktors Dr. Praun, rares Bildmaterial und weitere Dokumente der Schulgeschichte ausgewertet. Auch hat er mit Hilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach der letzten Ruhestätte der Amberger Gymnasiasten auf Soldatenfriedhöfen in Frankreich geforscht.
Der Vortrag zeigt, wie welthistorische Zäsuren auch ihre Auswirkungen auf das beschauliche Leben der Provinz haben und Institutionen und Strukturen, die scheinbar auf ewig bestehen, bis ins Mark erschüttern können.

Referent:

Peter Seidl

Datum Di 09.04.2019, 19:30 Uhr
Ort Historischer Verein für Oberpfalz, Aula Erasmus-Gymnasium, Gymnasiumstraße 7, 92224 Amberg