Christian Knorr von Rosenroths syrisches Neues Testament (1684)

Seminar

Obwohl es heute als gesichert gilt, dass das syrische Neue Testament im zweiten Jahrhundert n.Chr. durch die Übersetzung aus dem Griechischen ins Syrische entstanden ist, wurde im Europa der frühen Neuzeit angenommen, es handele sich um den Urtext, der in der Sprache Jesu Christi verfasst worden sei. Aus dieser fama erklärt sich das große Interesse, das dieser Text damals unter Gelehrten erregte und damit den Aufschwung semitistischer Studien unter den europäischen Gelehrten befeuerte. Die beachtenswerte Zahl von Editionen des Textes, sowohl einzeln als auch in Form von Polyglotten, seit der Mitte des 16. Jahrhunderts legt beredtes Zeugnis dafür ab. Die Ausgabe Christian Knorr von Rosenroths aus dem Jahre 1684 vereint eine hundertjährige philologische Beschäftigung mit dem für Sulzbach charakteristischen geistigen Klima des Fürstenhofs. Bis heute ist das Interesse am syrischen Text des Neuen Testaments ungebrochen. Die kommende Tagung der Christian-Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft wird es erstmals erlauben, Forschungen über das syrische Neue Testament und Kabbala in den gemeinsamen kulturgeschichtlichen Kontext zu stellen und zu würdigen. Eine solche Kontextualisierung geriet erst jüngst im Rahmen der Veröffentlichung eines spektakulären Fundes in den Fokus der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit: Anna Maria Vileno und Robert Wilkinson entdeckten Knorr von Rosenroths verloren geglaubtes Manuskript zu Messias Puer in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Mit Knorr von Rosenroths kabbalistischer Interpretation des Neuen Testaments auf der Basis der syrischen Sprache eröffnen sich nun neue Perspektiven für religionsgeschichtliche Fragestellungen und die Rekonstruktion der Entwicklung philologischer und biblischer Wissenschaftstraditionen.
12 Referenten, u.a. aus Israel u. Italien, haben Beiträge zugesagt. Die Vorträge der Tagung sind teils in deutscher und teils in englischer Sprache.

Vorläufiges Programm:
FREITAG

14.00-16.00
Gerold Necker, Von der Bibel zur Kabbala Denudata
Tzachi Weiss, The Holiness of the Syriac Language
Saverio Campanini Kabbala und Grammatik. Theseo Ambrogios Introductio in Chaldaicam linguam, Syriacam atque Armeniacam (1539)

Kaffeepause

16.30-17.30
Keynote Lecture: Yossi Chajes, Sprachen und Bilder: Von der Bibel zur Kabbala
Im Anschluss Ausstellungseröffnung von Sulzbacher Drucken und Konzert

SAMSTAG
9.00-10.30
Gianfranco Miletto, Agostino Giustinianis Polyglottenpsalter
Pier Giorgio Borbone, Moses of Mardin and the the Syriac Language in the Sixteenth Century

Kaffeepause

11.00-12.30
Maximilian de Molière, Die Anatomie Gottes in Johann Albrecht Widmanstetters Ausgabe des syrischen Neuen Testaments
Judith Weiss, Guillaume Postel's Aramaic Zohar

Mittagspause

14.00-16.00
Anna Maria Vileno, Knorr von Rosenroth's Messias Puer
Robert Wilkinson, The Syriac Language in Knorr von Rosenroth's Writings
Rosmarie Zeller, Der Briefwechsel Knorr von Rosenroths

Kaffeepause

16.30-18.00
Elke Morlok, Das syrische Neue Testament zwischen Pietismus, Konversion und Mission
Matthias Morgenstern, Syrisch-aramäisch im Kontext des deutschen Pietismus im 20. Jahrhundert: eine württembergische Ausgabe des Neuen Testaments
Abschlussdiskussion und Ende

Tagungsleitung:

Prof. em. Dr. Rosemarie Zeller, Universität Basel

apl. Prof. Dr. Gerold Necker, Universität Halle-Wittenberg

M.A. Maximilian de Moliere, Universität Halle-Wittenberg

Datum Fr 02.07.2021, 14:00 Uhr - Sa 03.07.2021
Ort Historische Druckerei Seidel, Luitpoldplatz 4,, 922337 Sulzbach-Rosenberg
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